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Bild: © WIEDERAUFBAU Eine Luftaufnahme der Braunschweiger Weststadt in den 50er Jahren.
Bild: © WIEDERAUFBAU

Das WIR im Wohnen

 

75 Jahre Baugenossenschaft Wiederaufbau

Vielleicht sitzen Sie gerade mit einer Tasse Kaffee auf Ihrem Balkon und genießen den Blick in die Nachbarschaft. Kaum vorstellbar, dass an vielen dieser Orte vor gut 75 Jahren noch Trümmer und Brachen lagen, oder? Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Braunschweig zu den am stärksten zerstörten Städten Deutschlands. Wohnraum war knapp, Zehntausende Menschen suchten ein Dach über dem Kopf. Die Baugenossenschaft Wiederaufbau war eine gemeinschaftliche Antwort auf diese Herausforderung und feiert dieser Tage ihren 75. Geburtstag. 

Bild: © WIEDERAUFBAU Das mehrstöckige Wohngebäude der Amtswiese 2 in Bad Harzburg in den 1960er.

Amtswiese 2 in Bad Harzburg


Wohnungsnot im Trümmerfeld

Als der Zweite Weltkrieg endet, liegt die traditionsreiche Innenstadt Braunschweigs zu fast 90 Prozent in Schutt und Asche. Jedes dritte Wohngebäude ist zerstört, ebenso wie die Hälfte der Industrieanlagen. Unvorstellbare 3,6 Millionen Kubikmeter Trümmer türmen sich in den Straßen.
 
Tausende Menschen leben damals in Kellern oder überbelegten Notunterkünften und die Wohnungsnot wird durch fast 60.000 Heimatvertriebene und Geflüchtete verschärft, die in Braunschweig eine neue Heimat suchen.
 
Dem wollen zehn Männer nicht tatenlos zuschauen. Am 30. Mai 1951 gründen sie mit einem klaren Ziel die Baugenossenschaft Wiederaufbau: bezahlbaren Wohnraum schaffen und die Menschen beim Neuanfang unterstützen. Im September desselben Jahres wird die Genossenschaft unter der Nummer 243 offiziell ins Register eingetragen. Los geht es mit zwölf Mitgliedern, das Startkapital beträgt gerade einmal 860 Mark. 

Bild: © WIEDERAUFBAU Das Mehrstöckige Wohngebäude der Amtswiese 2 in Bad Harzburg 2026.

Die Amtswiese 2 in 2026.

Bild: © WIEDERAUFBAU


Rasantes Wachstum in den Aufbaujahren

Wie ernst die Gründer den eigenen Auftrag nehmen, zeigen die Zahlen. Zehn Jahre später hat die WIEDERAUFBAU bereits 48 Mitarbeitende und 5.029 Wohnungen gebaut, bis 1966 für insgesamt 20.000 Menschen ein neues Zuhause geschaffen. Das ist nicht weniger als eine Kleinstadt in gerade einmal 15 Jahren und hinter jeder Wohnung steht die persönliche Geschichte eines Menschen, der ein neues Zuhause gefunden hat.

Gebaut wird nicht nur in Braunschweig, sondern bereits 1954 auch in Seesen und Hildesheim, 1955 in Vechelde, Sickte und Goslar – außerdem in den Folgejahren in Wolfenbüttel, Schöppenstedt, Salzgitter, Vienenburg, Bad Harzburg, Schladen und Bad Gandersheim.

Ein wichtiger Motor dieser schnellen Entwicklung ist die enge Zusammenarbeit mit dem Zentralverband vertriebener Deutscher (ZVD). Über dessen Netzwerk entstehen früh Kontakte zu Kommunen und Behörden, die den Wohnungsbau und die Finanzierung neuer Projekte erleichtern.

„Ich kenne die WIEDERAUFBAU aus zwei Perspektiven: viele Jahre als Vorstand und heute als Vorsitzender des Aufsichtsrats. Nach 20 gemeinsamen Jahren weiß ich, was für ein besonderes Unternehmen sie ist. Mein Wunsch zum Jubiläum: Weiter so, aber immer mit dem Mut, sich weiterzuentwickeln.“
Christoph Schmitz - Aufsichtsratsvorsitzender WIEDERAUFBAU
Bild: © Push it!
„Ich kenne die WIEDERAUFBAU aus zwei Perspektiven: viele Jahre als Vorstand und heute als Vorsitzender des Aufsichtsrats. Nach 20 gemeinsamen Jahren weiß ich, was für ein besonderes Unternehmen sie ist. Mein Wunsch zum Jubiläum: Weiter so, aber immer mit dem Mut, sich weiterzuentwickeln.“
Christoph Schmitz - Aufsichtsratsvorsitzender WIEDERAUFBAU
Bild: © Push it


Eine neue Stadt für die Stadt

Kaum ein Ort ist jedoch so eng mit der Geschichte der WIEDERAUFBAU verbunden wie die Braunschweiger Weststadt. Am Queckenberg errichtet die Genossenschaft die ersten Häuser überhaupt in dem ab 1960 entstehenden Stadtteil – damals eines der größten Neubaugebiete in der gesamten Bundesrepublik.

„Die Weststadt ist im Grunde genommen das Kernland der WIEDERAUFBAU, der Nukleus“, betont der Aufsichtsratsvorsitzende Christoph Schmitz. Das erklärt das besondere Engagement vor Ort. So wird beispielsweise 2008 gemeinsam mit Partnern der gemeinnützige Verein Stadtteilentwicklung Weststadt e. V. gegründet. Er betreibt heute drei Nachbarschaftstreffpunkte und ist mehrfach ausgezeichnet.

WIEDERAUFBAU-Vorstand Florian Bernschneider sieht das soziale Management als Herzensangelegenheit und wirtschaftliche Vernunft zugleich: „Neben der unheimlich wichtigen sozialen Rendite sorgt dieses Engagement für stabile, sichere Quartiere. Wenn Sie sich als Mieterinnen und Mieter bei uns wohlfühlen, sichert das langfristig den Wert unserer Wohnanlagen – und davon profitieren am Ende wieder alle Mitglieder.“

Bild: © WIEDERAUFBAU Eine Luftaufnahme der Braunschweiger Weststadt in den 50er Jahren.

„Kernland“ der WIEDERAUFBAU: Die Weststadt entsteht ab 1960 und ist damals das fünftgrößte Neubaugebiet der Bundesrepublik.


Vom Zonenrand in die Mitte Europas 

Doch der Reihe nach: Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 führt zur Wiedervereinigung Deutschlands und verändert auch die Rolle Braunschweigs nachhaltig. Denn die Stadt am Zonenrand rückt plötzlich ins geografische Zentrum des Landes und eines wachsenden Europas.

Auch für die WIEDERAUFBAU eröffnen sich dadurch neue Perspektiven: Getreu dem solidarischen Grundgedanken engagiert sich die Genossenschaft von Anfang an in den neuen Bundesländern. Durch die Übernahme von Wohnungsbeständen sowie die Gründung von Geschäftsstellen in Halberstadt, Quedlinburg, Blankenburg und Calbe (Saale) leistet sie einen ganz praktischen Beitrag zum Zusammenwachsen von Ost und West.

Bild: © WIEDERAUFBAU Dr. Thorsten Kornblum im Profil


Nachhaltig und digital 

Bereits Anfang der 1990er-Jahre beginnt die Genossenschaft auch mit der energetischen Sanierung ihrer Bestände – baut Isolierglasfenster und Wärmedämmung ein. Das reduziert schon damals die Heizkosten für die Mitglieder und schafft heute den nötigen Spielraum für die Energie wende. „Wir können uns deshalb auf die Heizungstechnik fokussieren“, erklärt die Technische Bereichsleiterin Silke Pförtner. Konkret werden seit gut vier Jahren systematisch Einrohr- zu Zweirohrheizungen umgebaut und so die Vorlauftemperaturen gesenkt. Das spart bis zu 30 Prozent Energie, also bares Geld im Portemonnaie und senkt zudem den CO2-Ausstoß.

Auch Wärmepumpen werden bereits erfolgreich getestet. Und weil zum modernen Wohnen digitale Teilhabe gehört, sind mittlerweile 9.000 WIEDERAUFBAU Wohnungen mit einem zukunftssicheren Glasfaseranschluss für schnelles Internet ausgestattet.

Bild: © WIEDERAUFBAU Der Stand der WIEDERAUFBAU bei einer Messe in den 60ern.

Bild: © WIEDERAUFBAU


Gut verzinst, ein Leben lang

Ein echter Meilenstein der WIEDERAUFBAU-Geschichte ist die Gründung der eigenen Spareinrichtung. Seit 2006 bietet sie Mitgliedern die Möglichkeit, Geld attraktiv verzinst innerhalb der Genossenschaft anzulegen. Das Besondere daran: Die Einlagen fließen direkt in die Modernisierung und den Neubau von Wohnungen. So bleibt das Kapital dort, wo es den Menschen wirklich zugutekommt – in ihren eigenen Quartieren.

Und wer sich zu Hause wohlfühlt, möchte dort natürlich alt werden. Das Konzept „Wohnen mit Zukunft“ verhilft Seniorinnen und Senioren an mittlerweile 13 Orten zu einem barrierearmen Lebensmittelpunkt mit flexiblen Hilfs- und Freizeitangeboten.

Bild: © WIEDERAUFBAU Frau Dr. Schmitt im Profil.


Eine lebendige Erfolgs- und Zukunftsgeschichte

Von den ersten Bauten in der zerstörten Nachkriegsstadt bis zum modernen Wohnungs- und Dienstleistungsunternehmen mit über 9.100 Wohnungen an 15 Standorten und rund 17.700 Mitgliedern hat sich vieles verändert.

Geblieben ist das genossenschaftliche Fundament. „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele.“ Dieser Sinnsatz, der mit Friedrich Wilhelm Raiffeisen einem der Gründungsväter der genossenschaftlichen Bewegung zugeschrieben wird, ist Verpflichtung und Ansporn zugleich, trägt aber auch eine klare Botschaft in sich: Sie alle sind Teil einer lebendigen Erfolgs- und Zukunftsgeschichte, die vor 75 Jahren mit Mut, einem starken Gemeinschaftsgefühl und gerade einmal 860 Mark begann. Darauf bauen wir – auch morgen.

Bild: P. Ziebart, Florian Bernschneider im Profil
Bild: © Sascha Gramann

„75 Jahre WIEDERAUFBAU zeigen: Zukunft entsteht nicht durch Abwarten, sondern durch Haltung. Unsere Genossenschaft hat sich seit ihrer Gründung immer weiter entwickelt – Schritt für Schritt, mit langem Atem und mit dem Mut, Dinge anders zu machen als andere. Besonders sichtbar wurde diese Stärke in großen Umbruchzeiten: nach dem Krieg, beim Aufbau neuer Quartiere, bei der Modernisierung unserer Häuser und heute bei Energie, Klima und Digitalisierung. Dabei waren wir nie Spielball kurzfristiger Stimmungen. Wir haben beharrlich in das investiert, was langfristig trägt: gute Wohnungen, stabile Nachbarschaften und eine starke Gemeinschaft.

Und was heißt diese WIEDERAUFBAU DNA für die Zukunft? Wir folgen keinem Zickzackkurs. Wir wollen weg von fossilen Energieträgern – aber mit einer Strategie, die bezahlbar bleibt: für die Genossenschaft und für die Nebenkosten unserer Mieterinnen und Mieter. Wir machen unsere Quartiere fit für ein verändertes Klima, schaffen mehr Grün, fördern Artenvielfalt und gestalten Außenräume, in denen Menschen sich gern aufhalten. Denn Verantwortung bedeutet für uns beides: CO2 zu sparen und die Umwelt direkt vor der eigenen Haustür besser zu machen.

Auch die Digitalisierung nutzen wir mit Augenmaß. Nicht, um Menschen zu ersetzen, sondern um mehr Zeit für das zu schaffen, was wirklich zählt: persönliche Beratung, gute Lösungen und menschliche Nähe. Und während Netflix, Instagram und Co. jedem und jeder Einzelnen den eigenen Startbildschirm zeigen, arbeiten wir an etwas anderem: an professionellen WIR-Erlebnissen, an Begegnung und Gemeinschaft.

Das ist unser Kurs für die Zukunft: modern bleiben, ohne beliebig zu werden. Mutig sein, ohne das Fundament zu verlieren. Und immer wieder neu zeigen, was genossenschaftliches Wohnen ausmacht: ein Zuhause, das mehr ist als vier Wände.“

Ihr Florian Bernschneider
Vorstand der WIEDERAUFBAU

Bild: © WIEDERAUFBAU Horst Wießner im Profil Bild: © WIEDERAUFBAU Sabine Görlitzer-Toewe im Profil
Bild: © WIEDERAUFBAU Horst Wießner im Profil
Bild: © WIEDERAUFBAU Sabine Görlitzer-Toewe im Profil

Erfahren Sie mehr über die WIEDERAUFBAU-Historie in unserem Film. Diesen finden Sie über den Link auf unserer Homepage.

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